1. Wie funktionieren Hormone in meinem Körper?
Das Hormonsystem ist hierarchisch aufgebaut und wird durch den
Hypothalamus
als oberste Instanz gesteuert. Dieser hat sozusagen den Gesamtüberblick über die Hormone im Körper. Auf auftretende Veränderungen reagiert der Hypothalamus mit entsprechenden Befehlen an die
Hypophyse
(Hirnanhangsdrüse (liegt an der Unterseite des Gehirns), hat engen Kontakt zur nahegelegenen Großhirnrinde und verarbeitet alle von dort kommenden Reize (Wärme, Kälte, Sinneseindrücke, optische und akustische Wahrnehmungen, Emotionen, Gedanken). Er schickt ein Freisetzungshormon an die Hypophyse. Die Hypophyse sendet daraufhin
Gonadotropine
(Hormone, die die Funktion der Keimdrüsen, auch
Gonaden
genannt, regulieren) an die Eierstöcke bei der Frau und an die Hoden beim Mann. Dort werden daraufhin Sexualhormone gebildet. Die Sexualhormone werden an den Blutkreislauf abgegeben und so zu den Zielorganen, aber auch zum Hypothalamus-Hypophysen-System, transportiert. Die Höhe der Sexualhormonspiegel im Blut entscheidet, ob die Aktivität des Hypothalamus-Hypophysen-Systems verstärkt oder gebremst wird. Hohe Blutspiegel von
Testosteron
( oder auch
Östrogen
und
Gestagen
) hemmen die Freisetzung der Gonadotropine, während niedrige Sexualhormonspiegel die Hirnanhangdrüse zur vermehrten Produktion von Gonadotropinen anregen. Dieses so genannte
Rückkopplung
s-Prinzip ist auch die Grundlage für das Verständnis der Wirkungsweise der Pille und anderer hormonaler Präparate zur Empfängnisverhütung. Und es ist auch eine Grundlage, die Testosterondosierung für Transmänner individuell richtig festlegen zu können.
Im Detail:
Die Hypophyse liegt an der Unterseite des Gehirns und besteht aus
Adenohypophyse
und
Neurohypophyse
, die sogenannte Effektor- und Steuerhormone bilden.
Aus der Adenohypophyse stammen mehrere Hormone, welche entweder die Funktion anderer endokriner Drüsen steuern (nicht-glandotrope Hormone) oder solcher, die ohne Zwischenschaltung direkt auf das Zielgewebe wirken (glandotrope Hormone) .
A) Gruppe der glandotropen Hormone:
-
Prolactin
, das zusammen mit anderen spezialisierten Hormonen die Milchproduktion in den Brustdrüsen beeinflusst.
-
Somatotropin
, das die Entwicklung der Körpergewebe (insbesondere der Knochensubstanz und der Muskeln) fördert und den Kohlenhydratstoffwechsel beeinflusst.
B) Gruppe der nicht-glandotropen Hormone:
- Adrenocorticotrope
Hormon
(
ACTH
), das die Nebenniere zur Produktion von
Cortisol
anregt,
- Thyreotropin ( TSH ), das die Schilddrüse steuert,
- Follikelstimulierende Hormon ( FSH ) und
- luteinisierende Hormon ( LH ), die auf die Geschlechtsdrüsen wirken,
- Melanocytenstimulierende Hormon ( MSH ), das die Färbung der Pigmentzellen regelt.
- Endorphine: Peptidsubstanzen, die auf das periphere und zentrale Nervensystem wirken und die Schmerzempfindlichkeit vermindern.
Die Sexualhormone werden vorwiegend in den Keimdrüsen gebildet, aber es gibt auch einen (nur unwesentlichen) kleinen Teil, der über Umwegen aus der Nebennierenrinde stammt oder auch aus der lokalen Umverstoffwechselung von Testosteron in
Östron
mittels eines Enzyms, genannt Aromatose, im Fettgewebe.
Im weiblichen Organismus überwiegen die “weiblichen”, im männlichen Organismus die “männlichen” Sexualhormone. Beide Hormontypen entstehen aber (natürlich produziert) aus den gleichen Vorstufen (Cholesterol) und sind über die Synthesewege miteinander verbunden. Das gilt genauso für künstlich zugeführte Hormone – nur so ist ja auch erklärbar, wieso die Antibabypille über Jahre hinweg einem weiblichen Körper eine Schwangerschaft vortäuschen kann. Demzufolge stehen also diese Stoffwechselvorgänge auch dem künstlichen Testosteron zur Verfügung.
Sexualhormone werden in 3 Gruppen geteilt:
Östrogene (w.) sind: Östron (E1),
Östradiol
(E2) und
Östriol
(E3)
Sie bedingen im weiblichen Körper die Verteilung des Unterhautfettes, die Stimmlage, das Brustdrüsenwachstum und den Behaarungstyp.
Dann werden Gestagene oder auch Gelbkörperhormone genannt.
Daraus folgt nun:
Für die Ausprägung der Geschlechtsorgane sind die Geschlechtshormone der Keimdrüsen ( Gonaden ) zuständig. Während der Pubertät senden die Hormone des Hypothalamus Signale an die Fortpflanzungsorgane, bei Männern an die Hoden, bei Frauen an die Eierstöcke. Die Hoden produzieren daraufhin vermehrt Testosteron, die Eierstöcke Östrogen, wobei männliche Hormone in gleichbleibenden Mengen hergestellt werden und die Bildung von weiblichen Hormonen einem Zyklus folgen. Aber bei beiden Geschlechtern wird die Produktion jeweils von Botenstoffen in den Keimdrüsen durch die Hirnanhangsdrüse und den Hypothalamus gesteuert. Da wir keine funktionierenden Hoden haben, laufen die Signale der Hirnanhangsdrüse in's Leere! Das heißt aber nicht, dass die uns nicht nützen können! Anhand dieser Hirnanhangsdrüsen werte lässt sich nämlich ablesen, ob wir unter- oder überdosiert oder auch richtig dosiert sind!
Luteotropin (
LH
, luteinisierendes Hormon) ist also gemeinsam mit
FSH
und Prolactin ein nicht-glandotropes Hormon, dessen Synthese und Sekretion durch die
GnRH
- Ausschüttung des Hypothalamus kontrolliert wird. Das heißt verallgemeinert ausgedrückt, wenn ein Hormonmangel im Körper vorliegt, steigt der LH - Spiegel im Blut, was beim biologischen Mann die Testosteronproduktion anregt. Da wir keine eigene Hormonproduktion haben, die angeregt werden könnte, passiert bei uns nichts dergleichen. Aber ein hoher LH-Spiegel ist damit ein Parameter für eine Testosteronunterdosierung, ein sehr niedriger (gegen 0 komprimierter) LH - Spiegel ein Parameter für eine Überdosierung. Referenzwerte bei biologischen Männern mit 20 bis 70 Jahren ist 1,4 - 9,2 U/l
__________ Quellenangabe:
2) Gross Erich, Testosteronbehandlung
FzM
, August 2008.
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